Nachhaltigkeit

Das Österreichische Umweltzeichen für Tourismus

Urlaub in der Heimat. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

von

Und sind wir uns mal ehrlich: das Nahe ist meist ja auch wirklich gut! Für uns und für die Umwelt.

Diesem Gedanken schließen sich auch die Entwickler und Träger des Österreichischen Umweltzeichens für Tourismus an,bei dem insbesondere Augenmerk aufs Ökologische gelegt wird. Energieversorgung, Wasserverbrauch und Emissionsausstoß spielen bei diesem Gütesiegel eine Hauptrolle.

 

Aufwendige Zertifizierung für das Umweltzeichen im Tourismus

Die Berechnung der einzelnen Werte ist eine kleine Wissenschaft für sich und bedarf relativ viel Aufwand. Die Zertifizierung ist Zeit- und Arbeitsintensiv und fordert ständiges Sammeln von Daten, zum Beispiel bezüglich Stromverbrauch, Wasserverbrauch, Anzahl der Glühbirnen, Durchflussmenge des Wassers in den Duschen und Wasserhähnen und vieles mehr, meint Renate Heiler von Camping-Mexico in Bregenz, einem mit dem Umweltzeichen zertifizierten Campingplatz.

 

Wer dem Camping-Charme (noch) nicht verfallen ist, kann auf rund 180 andere Beherbergungsbetriebe in Österreich zurückgreifen, die das exklusiv von Friedensreich Hundertwasser entworfene Umweltzeichen tragen. Von der gemütlichen Almhütte, über Urlaub am Bio-Bauernhof bis hin zur Jugendherberge oder dem schicken Stadthotel ist alles dabei.

Unterschiedlicher könnten die Betriebe nicht sein und dennoch haben sie etwas gemein, nämlich die Ideologie, die sie vertreten und nach der sie handeln, was auch eine eindeutige Positionierung im Wirtschaftssektor Tourismus mit sich bringt.

Flexibel müssen so natürlich auch die Kriterien sein, die erfüllt werden müssen. Es gibt einen akribischen Kriterien-Katalog mit obligatorischen Punkten und optionalen, die individuell auf den Betrieb zugeschnitten sind und stark variieren können.

 

Ramsauer Bioniere waren die absoluten Spinner damals

Georg Berger bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie den Frienerhof der Zimmer und Ferienwohnungen betreibt, und ist Mitbegründer der Ramsauer Bioniere.

Uns war es einfach wichtig das Kreislauf-Denken der biologischen Landwirtschaft auf den Tourismus umzumünzen. Als Kooperative unterstützen wir uns gegenseitig und so sind mittlerweile nahezu 100% unserer verarbeiteten Lebensmittel Bioprodukte aus der Region. Damals, 1999 als wir die Bioniere gründeten, wurden wir als absolute Spinner abgestempelt, heute kann man sehen, dass es sich auszahlt eine Vision zu haben und vor allem sie umzusetzen und nicht nur zu reden.

Am Frienerhof entwickeln wir uns ständig weiter, um so ressourcenschonend wie möglich zu agieren. 50% unseres Stroms erzeugen wir durch die hauseigene Photovoltaik-Anlage, für den Rest beziehen wir Ökostrom. Für Warmwasser gibt es die Solaranlage und geheizt wird mit Hackschnitzel von Bäumen aus der Region.

Als Ramsauer Bioniere haben sie gemeinsam beschlossen dem Österreichischen Umweltzeichen beizutreten, da es nur ein logischer nächster Schritt war. Laut Georg Berger ist es für Ihn nicht schwer die Auflagen einzuhalten, da am Frienerhof aus Idealismus schon viel mehr umgesetzt wurde, als für die Zertifizierung nötig.

Das Österreichische Umweltzeichen ist eine Bestätigung für uns und unsere Gäste, dass wir uns auf die Finger schauen lassen. Die Kontrollen sind zwar lästig, aber unabdingbar und auch wichtig, und sie sollen ruhig schön streng sein. Ich bin davon überzeugt, dass das Umweltzeichen auf keinen Fall als gegeben hingenommen werden soll und permanenter Weiterentwicklung bedarf.

Die Kontrollen finden alle 4 Jahre durch eine zertifizierte Prüfstelle vor Ort statt.

 

Das Österreichische Umweltzeichen Tourismus gibt es aber nicht nur für Beherbergungsbetriebe, sondern auch für ganze Reiseangebote, wo besonderes Augenmerk auf An- und Abreise gelegt wird, aber auch auf die Unterkunft, Aktivitäten und Mobilität vor Ort und auf die Informationen die der Gast erhält.

In die Hauptstadt lässt es sich zum Glück von allen Teilen des Landes relativ einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

 

Null-Energie-Bilanz für ein Stadthotel? Geht nicht, gibt’s nicht

Als 2007 die Idee für ein neues Stadthotel in Wien entstand, war es für Michaela Reitterer klar, dass es ein Passivhaus werden muss. Unbeirrt von Kritikern bahnten sie und ihre Mitarbeiter sich ihren Weg, und so öffnete 2010 mit dem Boutique-Hotel Stadthalle das weltweit erste Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz in Wien seine Pforten.

Wir haben unser Haus um die ökologischen Technologien herum geplant und nicht umgekehrt. So können wir optimale Effizienz garantieren. Für die Warmwasseraufbereitung verwenden wir thermische Solarenergie, die Zimmer werden durch eine Wasser-Wärme Pumpe geheizt. Strom wird durch die hauseigene Photovoltaik-Anlage erzeugt. Sogar das Hotelschild am Eingang besteht aus Paneelen, um energieneutral in der Nacht zu leuchten und die Ladestelle für E-Bikes mit Strom zu versorgen. Und dank einer Regenwasser-Nutzanlage wird zum Beispiel kein Trinkwasser für die Toilettenspülungen verwendet.

Auch hier wird mehr getan, als für die Zertifizierung mit dem Umweltzeichen nötig. Das Umweltzeichen fungiert neben der eigenen Kontrolle, was Abfallwirtschaft, Reinigungsmittel und vieles mehr anbelangt auch als Qualitätsmerkmal für (potenzielle) Gäste des Boutique-Hotels.

Die Resonsanz ist durchwegs sehr positiv und ein großer Teil unserer Gäste bucht wegen unseres Umwelt-Engagements. Es gibt aber auch solche, die bis zur Abreise nicht gemerkt haben, dass Sie in einem Hotel mit Null-Energie-Bilanz genächtigt haben, was in gewisser Weise auch wieder ein Kompliment ist.

Und genächtigt wurde nobel, in mit Recycling Stoffen ausgestatten Komfortzimmern.

 

Vielleicht nicht ganz so komfortabel, aber nicht minder charmant geht es am Bodensee zu.

 

Öko am Campingplatz - Es den Gästen vorleben

Das ist das Leitmotiv für Renate Heiler. Ihres Zeichens Leiterin des Öko-Campingplatzes Camping Mexico im schönen Ländle.

Permanentes kritisches Hinsehen und Information der Gäste sind zwei der wichtigsten Aspekte beim Bertreiben eines mit dem Umweltzeichen zertifizierten Campingplatzes. Zusätzlich sind wir auch mit dem European Eco-Label., auch EU-Flower genannt, ausgezeichnet. Beide Gütesiegel haben strenge Auflagen und verlangen detaillierten Dokumentationsaufwand.

Die Schritte, die Camping Mexico gesetzt hat sind vor allem Energie- und Wassersparmaßnahmen. Mit simplen Mitteln kann man großes bewirken. Bewegungsmelder und Verringerung der Durchflussmenge des Wassers klingen banal, führen aber zu tollen Ergebnissen.

Seit 2007 beziehen wir ausschließlich Öko-Strom und bereits seit 2000 haben wir eine Solaranlage für die Warmwasser-Aufbereitung. Mülltrennung ist eine Selbstverständlichkeit und auch die Gäste werden durch genaue Informationen an der Sammelstelle geschult und animiert.

Grundsätzlich ist es Ziel so wenig Müll wie möglich zu produzieren, so wird etwa fürs Frühstück alles in Großeinheiten gekauft und in Geschirr serviert. Die Produkte stammen übrigens aus regionaler Bio-Produktion und die aus der Ferne stammenden wie Kaffee, Schokolade und Kakao sind fairtrade. Auch verkaufen wir keine Dosen, sondern nur Getränke in Pfandflaschen und statt Take-Away-Becher gibt’s unsere Pfand-Kaffeetassen.

 


Um den Kriterien ihrer Zertifizierungen gerecht zu werden und sich weiterzuentwickeln sehen sich Renate Heiler und ihr Team auch mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Ständig am Thema dran bleiben ist oft nicht einfach, aber dringend notwendig, genauso wie die Mitarbeiter zu informieren, zu schulen und zu motivieren. Dasselbe gilt für die Gäste.

Dass sich dieser Aufwand aber lohnt, und was sonst so alles getan wird, kann im Umweltbericht von Camping Mexico nachgelesen werden.

 

Positive Vorreiter sind sie wohl alle diese Betriebe, denn es ist nicht nur ein organisatorischer, sondern auch ein finanzieller Aufwand sich mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifizieren zu lassen. Aber Idealismus und Optimismus den richtigen Weg zu gehen sind Eigenschaften, die man nicht kaufen kann.

Georg Berger sagt so schön: Es ist ein steiniger Weg, aber das macht Pioniere doch aus, einen Weg vorauszugehen, um ihn vorzubereiten für alle anderen, die Ihn nach dir gehen.

 

 

Infobox

Das Österreichische Umweltzeichen wird seit 2008 vom Lebensministerium in den Bereichen Bildung, Tourismus (Betriebe und Reiseangebote) und Produkte vergeben.


zum Nachlesen

Das Umweltzeichen Tourismus
Nachhaltigkeitssiegel und nachhaltiges Reisen auf Traverdo.de
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