Nachhaltigkeit

Griechenlands Tourismus sieht grün

Einblicke in das Nachhaltigkeitsprogramm einer 5-Sterne Hotelkette in Griechenland. Ein Gastbeitrag von Doris Neubauer

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Wirtschaftskrise, Neuwahlen, Austrittsszenario aus dem Euro - auch wenn so manche Negativ-Schlagzeile Anderes vermuten ließe: Griechenland hat als Urlaubsdestination kaum etwas an Attraktivität eingebüßt. Zumindest, wenn man der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Wien Glauben schenkt. Anders als S.E.T.E., der Verband der griechischen Touristik-Unternehmen, der die veranschlagten Ziele von 16 Millionen internationalen Ankünften und 10 Milliarden Euro direkter Einnahmen aus dem Tourismus für 2012 bereits im März als unerreichbar eingestuft hat, ist man dort sicher: „Wir werden die gleichen Zahlen wie im Rekordjahr 2011 erreichen – oder maximal um fünf Prozent im Minus sein.“ Besonders England und die neuen Märkte Russland, Indien, China, Israel sowie die Nachbarländer werden fehlende Buchungen aus Österreich und Deutschland ausgleichen, so die optimistische Prognose.

 

Während sich zum Thema Auslastung die Aussagen widersprechen, herrscht in einem Einigkeit: Es bedarf struktureller Änderungen, um das stark saisonal gebuchte Griechenland das ganze Jahr über attraktiv zu machen. Maßnahmen, die bisher “in einem großen Grad nicht umgesetzt“ wurden, lautet die Kritik des S.E.T.E. Angesprochen wird dabei unter anderem die mangelnde Förderung von nachhaltigem Tourismus. Zwar wurden im Rahmen des von der EU unterstützten Programms zu „Wettbewerbsfähigkeit und unternehmerischer Tätigkeit“ (kurz ESPA) laut Auskunft der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr seit 2007 236 touristische Unterkünfte mit insgesamt 33,5 Millionen Euro gefördert, für kleine Betriebe ist es jedoch weiterhin schwierig, nachhaltig zu agieren. Sie hoffen auf eine Fortsetzung des Programms 2013.

 

Going Green: Kleine Unternehmen haben's schwer, die großen aber auch nicht leicht

„Wer 'grün' sein möchte, muss viele Hindernisse überwinden“, bestätigt Eleni Andreadis, Nachhaltigkeitsmanagerin des Sani Resorts auf Chalkidiki, der laut ICAP stärksten Hotelgruppe Griechenlands und eines von 100 profitabelsten Unternehmen des Landes. Seit 2008 engagiert sich das Familienunternehmen, das drei 5-Sterne und ein 4 1⁄2-Sterne-Haus betreibt, in Sachen Nachhaltigkeit und hat dazu ein eigenes „Green Program“ ins Leben gerufen. „Wir als großes Unternehmen haben die Möglichkeiten und die finanziellen Mittel zum Beispiel in ein eigenes Recycling-System zu investieren“, sagt Andreadis, die zuvor in New York, London, Köln und Mittelamerika als strategische Beraterin für Unternehmen, Organisationen sowie Behörden tätig war, „kleinere Hotels sind viel mehr von der Regierung und lokalen Verwaltungseinrichtungen abhängig.“

 

Eleni Andreadis Sani ResortEleni Andreadis, (c) Sani

 

Doch nicht nur Förderungen seitens des Staates beziehungsweise der Europäischen Union erlauben nachhaltige Investitionen, auch Kooperationen mit dem EU Eco Label oder Green Key, dem derzeit größten globalen Öko-Zeichen für Unterkünfte wie das Sani Resort, helfen Hoteliers auf dem grünen Weg. Das Interesse der Unternehmen an solcher Zusammenarbeit ist jedenfalls groß. „Vor vier Jahren, als Green Key begonnen hat, waren wir 15 Hotels“, schildert Eleni Andreadis, selbst Mitglied des Leitungsausschusses der Non-Profit-Organisation in Griechenland, „jetzt sind wir über 100.“ Ein Zustrom, der auch trotz Rezession weitergeht.

 

„Entscheidungskriterium für die Gäste scheint Nachhaltigkeit jedoch nicht zu sein, da geht es vor allem um den Preis.“

„Grüner Tourismus lässt sich gut im Marketing einsetzen“, erklärt die Griechische Zentrale für Fremdenverkehr das Interesse zumindest teilweise, fügt aber hinzu, „Entscheidungskriterium für die Gäste scheint Nachhaltigkeit jedoch nicht zu sein, da geht es vor allem um den Preis.“ Eleni Andreadis, die zusammen mit dem griechischen Hotelierverband für das Ministerium für touristische Entwicklung eine Studie über ein Zertifizierungssystem für Ökohotels in Griechenland ausgearbeitet hat, sieht das Ganze ähnlich: „Studien sind sich nicht sicher, ob sich Menschen verstärkt für nachhaltige Angebote entscheiden“, geht sie von einer Langzeit-Investition für UnternehmerInnen aus. Merkbar ist für die Harvard-Absolventin aber eine verstärkte Sensibilität ihrer Gäste gegenüber grünen Themen.

 

Gästeinformation für mehr Sparsamkeit, Sani Resort

 

„Die Deutschen und Briten wissen sehr viel über Nachhaltigkeit“, so Andreadis über ihre Hauptzielgruppen, „und auch Russen interessieren sich immer mehr dafür.“ Gerade als exklusive Marke sieht sie die Verantwortung darin, Gäste darin zu überzeugen, dass sie sich für das richtige Urlaubsresort entschieden haben. „Die Menschen können ihren Aufenthalt entspannter genießen, wenn sie wissen, dass sie es sich um einen verantwortungsvollen Betrieb handelt“, sieht sie auch keinen Widerspruch zwischen 5-Sterne- Hotel und Nachhaltigkeit, räumt aber ein, dass es ein „permanenter Balance-Akt ist: Manche Gäste verstehen zum Beispiel nicht, dass wir sie bitten, bei Verlassen des Zimmers die Air-Condition der Umwelt zuliebe abzuschalten.“ Hier setzt man im Sani Resort darauf, durch Informationen wie Magazine mit Tipps für „grüne Ferien“ oder Broschüren zu den aktuellen Umweltschutzmaßnahmen entgegenzusteuern. „Wir versuchen sicher zu gehen, dass jeder Gast über unser nachhaltiges Programm Bescheid weiß“, erklärt die Naturliebhaberin.

 

Doch nicht nur die UrlauberInnen, auch die rund 1.500 – meist saisonalen - MitarbeiterInnen werden laufend informiert. Das geschieht durch Handbücher, Trainings und Ausflüge in die geschützten Wetlands oder zu den jährlichen Baumpflanzungen, die das Sani Resort gemeinsam mit Umweltschutzorganisationen durchführt. „Anfangs war die Belegschaft eher skeptisch gegenüber den Änderungen“, gibt Andreadis zu, „doch es war überraschend, wie begeistert vor allem unsere jungen Angestellten waren, ein grünes Unternehmen mitzugestalten.“ Das Engagement der MitarbeiterInnen ist auch ihr größter Stolz: „Gerade beim Recycling-Programm ist jeder Einzelne gefragt, egal ob Back Office oder Rezeption, und die Ergebnisse können leicht gemessen werden. Hier zu sehen, dass wir Menschen zusammen etwas bewegen und verändern können, gibt mir Hoffnung.“

 

Eine Hoffnung, die auch andere Unternehmen bestärken kann, langfristig auf nachhaltige Programme zu setzen. Im Sani Resort ist jedenfalls schon der nächste Schritt geplant: 2013 soll in der Marina des Hotelkomplexes ein Informations- und Weiterbildungszentrum entstehen, in dem Gäste noch mehr über die Biodiversität der Landschaft und aktuelle Umweltschutzmaßnahmen erfahren können.

 

Anmerkung: Doris Neubauer wurde vom Sani Resort eingeladen, um sich vor Ort ein Bild über das Nachhaltigkeitsprogramm der Kette zu machen.

 

 

 

 

 

Infobox

Seit 2008 existiert mit dem Sani Green Programms des Resorts ein Konzept für nachhaltige Unternehmensführung im Tourismus. Eleni Andreadis, die Programmleiterin, beschreibt dieses aus Sicht des Unternehmens


weitere Links

Sani Nachhaltigkeitsprogramm
Friends of Urban Greek
Doris Neubauers Blog
Hotelketten wie dem Sani Resort zufolge sollen chillige Griechenland Strandurlaube in Zukunft umweltfreundlicher ablaufen, (c) Sani Resort Hotelketten wie dem Sani Resort zufolge sollen chillige Griechenland Strandurlaube in Zukunft umweltfreundlicher ablaufen, (c) Sani Resort

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