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Interview

Einmal Surfcamp in Nordspanien bitte!

Ein Interview mit Camino Surf über das Auswandern, Wellen und Nachhaltigkeit im Surftourismus

von

Andy: Erzählt doch wer ihr seid was ihr vor dem Camp gemacht habt und wie es zum Camino Surfcamp gekommen ist.

 

Andrea: Ich bin 28, komme aus Salzburg und bin eigentlich gelernte Kindergartenpädagogin. Vor 5 Jahren im Winter habe ich auf Fuerteventura zum Surfen begonnen. Peter war dort zu diesem Zeitpunkt bereits Surflehrer. Er hat mich quasi zum Surfen hingezerrt.

 

Peter: 2001 begann ich mit dem Surfen. Ich flog völlig planlos nach Australien, hatte ein viel zu kleines Brett, keinen Surfkurs gemacht und checkte so gar nichts ab. Irgendwie hat mich das Surfen aber dennoch gepackt. 2005 schloss ich mein Studium ab und konnte mich danach gar nicht mit der Büroarbeit anfreunden. Mein Diplomarbeitsbetreuer war irgendwie begeistert von meiner Arbeit und hat mich gleich an der Uni angestellt. Auf der Uni zu arbeiten konnte ich mir zwar vorstellen, ich war dann aber von den Aufgaben total enttäuscht. Am 1. Jänner 2007 hatte ich dann diese magische Session auf Fuerteventura: Alle anderen auf der Insel waren von Sylvester k.o., ich saß mit nur einem Spanier im Wasser. Es waren perfekte Bedingungen, ich surfte einige meiner besten Wellen. Dort hab ich mir dann gedacht: So, ich fahr jetzt heim und kündig, such mir etwas am Meer. Ich sehe mich nicht selber vorm Computer alt werden.

 

Jetzt hocke ich zwar auch oft davor, kümmere mich um die Werbung und Kunden und komme daher weniger zum Surfen als ich gedacht habe. Als Campbesitzer muss man halt manchmal seinen Schweinehund überwinden und in der Früh oder am Abend surfen gehen, auch wenn man schon etwas müde ist.

 

Die Ausbildung zum Surflehrer habe ich auch 2007 gemacht. Den Sommer verbrachte ich als Surflehrer in Frankreich und den darauffolgenden Winter war ich auf Fuerteventura als engagiert.

Danach ist alles recht schnell gegangen. Surflehrer alleine wollte ich nie sein. 2008 sind wir dann im Frühling nach Marokko, wo wir unseren jetzigen Geschäftspartner kennengelernt haben. Zurück in Spanien übernahm ich in Langre, nahe Santander, die Leitung in einem Camp. Andrea ist als Barmaid mitgegangen. Sie hat die Bar geschmissen, ich das Camp. Zwei Jahre machten wir das so, bis wir uns gedacht haben, dass wir auch unser eigenes Camp machen könnten. Wir haben uns daraufhin hier in Galizien selbständig gemacht. Im Winter sind wir mit unserem Camp seit dem letzten Jahr auch in Marokko. Damit sind wir ganz gut ausgelastet. Nach Hause kommen wir nur mehr ganz selten.

 

Geht euch die Heimat ab?

Andrea: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Es ist zwar immer wieder ganz schön, wenn man die Freunde und die Familie trifft, aber es ist dann gleich wieder gut, ans Meer zurückzukommen. Wir können uns derzeit nicht vorstellen, jedes Jahr nur für ein paar Wochen ans Meer zu fahren. Das wäre uns viel zu kurz. Wenn du einmal am Meer gelebt hast und es gewohnt bist am Meer zu leben, dann willst du nicht mehr zurück.

 

Galizien, Liebe auf den ersten Surf Trip?

Peter: Nein überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Tiefer tiefer Hass. Wir haben ja beim ersten Trip fast die Hälfte von Galizien ausgelassen. Wir sind von Marokko zurückgefahren, haben uns 2 1/2 Monate Zeit genommen um die ganze Küste bis Frankreich abzufahren. Also alle Spots, die im Stormrider Surf Guide zu finden sind. Natürlich waren wir auch mit dem Hintergedanken unterwegs, uns ein Plätzchen für unser Camp zu suchen.

 

Zuerst wäre unsere Wahl ja fast auf ein Plätzchen in Portugal gefallen. Wir sind dann aber doch weiter nach Galizien und das war zu Beginn furchtbar. Wir hatten absolut beschissenes Wetter und furchtbare Wellen und es war auch saukalt. Da mussten wir eine Woche lang in unserem VW-Bus verbringen. Alles war feucht und grauslich. Wir konnten uns selbst schon nicht mehr sehen. Wir sind an allen bekannten galizischen Spots vorbeigefahren, dort war's aber überall viel zu groß. Als wir dann auch noch die Industriegegend um Vigo, der größten Industriehafenstadt Spaniens, durchfuhren, haben wir uns gesagt: Nein, Galizien, das kann gar nichts. Auch von Santiago, der Pilgerstadt am Ende des Jakobswegs und vom dort herrschenden Touristenwahnsinn waren wir super enttäuscht.

 

Wir fassten dann den Entschluss Richtung Asturien und Kantablen abzureisen. Auf dem Weg dorthin sind war dann aber doch noch durch Ferrolterra, das Gebiet rund um die militärische Hafenstadt Ferrol im Norden Galiziens, durchgefahren. Zuerst zeigte sich überall das selbe Bild: schlechtes Wetter und beschissene Wellen. Auch der berühmte Strand Pantin kotzte uns richtig an. Aber dann schimmerte plötzlich die lange rechte Welle von Villarube durchs Dickicht als wir dort völlig demotiviert die Straße entlanggondelten. Es war ein wunderschöner Anblick, überall waren mieseste Verhältnisse, das Land wollten wir nur noch hinter uns lassen. Und dann sehen wir diese perfekte Welle, fast wie bei dieser Wavegarden Werbung so im Zwielicht des nebligen Tages. Wir sind sofort hin hatten eine geile Session mit ein paar sehr freundlichen Locals dort. Wir sind dann noch einige Tage geblieben, dachten uns, das wird schon. Schließlich fuhren wir aber doch weiter mit dem Plan, die Surfschule in Langre komplett zu übernehmen. Ein Angebot dafür hatten wir ja vom Besitzer. Auf der weiteren Heimreise sind wir auch noch an der französischen Atlantikküste entlang. Dort hat es uns aber auch nicht so ganz gefallen. Es war daher klar, dass wir unser Camp irgendwo entlang der Nordküste Spaniens öffnen werden. Leider hat sich das Projekt mit Langre schließlich doch nicht realisieren lassen. Im September 2009 sind war dann nochmals nach Galizien.

 

Und dann war es wohl Liebe auf den zweiten Blick: Perfektes Wetter, alles superfreundlich und perfekte, kopfhohe Wellen. Unser Task war dann aber eher nicht das Surfen selbst, sondern wir wollten die Gegend auschecken, wo man eventuell ein Camp aufmachen könnte. Wir haben dann bei Immobilienhändlern nach Häusern gefragt und uns Angebote angesehen. Da war aber nichts dabei. Schließlich sind wir hier am Campingplatz gelandet und hatten dort gleich Javi, den Juniorchef auf unserer Seite. Mit einem Schlag hatten wir einen Campingplatz, Apartments und eine Villa zum weitervermieten. Das war dann der Beginn von Camino Surf.

 

Es heißt, Galizien soll eine magische Anziehungskraft für Alpenländer haben? Was ist da dran?

Andrea: Lustigerweise, ja. Das ist eine gute Frage. Die klimatischen Bedingungen sind sehr ähnlich, auch die Landschaft erinnert an die Alpenlandschaft. Berge hast du hier in relativer Reichweite zum Meer. Aber so konkret können wir uns das auch nicht erklären. Vielleicht haben die Österreicher überall anders nicht Fuß fassen können und mussten deswegen ans Ende der Welt gehen. Bei uns war es nicht so, dass wir uns für Galizien entschieden haben, weil es hier so ähnlich wie in Österreich aussieht.

 

Ich möchte ein Surfcamp eröffnen, was mache ich garantiert falsch? Oder anders gefragt: Was sollte ich nicht machen?

Peter: Du machst ein Surfcamp auf (schallendes Gelächter). Das ist es. Der größte Fehler ist wirklich, dass man überhaupt ein Surfcamp aufmacht. Mittlerweile gibt es eine so hohe Dichte an Camps. Du musst zu Dumpingpreisen superviel arbeiten und eine super Qualität liefern. Jedem Campbetreiber ist klar, dass du damit nicht reich wirst, außer du verarscht deine Gäste, so wie es teilweise in Frankreich gemacht wird. Dort geht es halt auch viel um Party.

 

Aber Surfcamp ist nicht gleich Surfcamp. Es gibt Party Camps, da feiert man die ganze Nacht und geht am nächsten Tag eine Stunde surfen. Was du richtig falsch machen kannst, ist, wenn du keinen Bezug zur Gegend und den Menschen die dort Leben aufbaust. Das ist sicher das um und auf. Da haben wir mit Javi sehr großes Glück gehabt. Auch super war, dass wir mit Miguel, den Meister hier in der Gegend (Surfcamp- und Shopbesitzer), sehr gut zurecht kommen. Aber generell würde ich allen davon abraten, ein Surfcamp zu machen. Es gibt sicher einfachere Möglichkeiten um zu Geld zu kommen. Aber darum geht es uns nicht in erster Linie. Man muss sich der Konsequenzen bewusst sein, wieviel Arbeit und wie wenig Geld, aber auch Surfen für die Besitzer eines Camps dahintersteckt.

 

Kommen wir zum Thema Nachhaltigkeit: Erzählt doch wie ihr darüber denkt, was Camino Surf bereits erreicht hat und was es in Sachen Nachhaltigkeit noch zu verbessern gilt.

Mit den Wellen benutzen wir etwas, das aus der Natur kommt. Daher war für uns von Anfang klar, dass wir so wenige Spuren wie möglich hinterlassen sollten. Wir wollen ja auch, dass Leute in Jahren auch noch Surfen gehen können.

Surfen ist leider kein dankbarer Sport. Dass was wir für uns entdeckt haben, ist, dass wir, zumindest in den nächsten Jahren keine großartigen Reisen nach Bali, Australien oder Südamerika machen werden. Zumindest nicht zum Surfen. Einmal in den Flieger steigen, damit ich Wellen hab, die ich wahrscheinlich eh nicht surfen kann und letztendlich in Wellen sitze, die ich eh auch in Europa habe, steht für 95 % der europ. Binnenlandsurfer nicht dafür. Der durchschnittliche Surfer fängt bei uns mit 20 herum an. Da ist der Zug schon abgefahren, da wird man nicht mehr so gut, dass es wirklich Sinn macht, nach Bali surfen gehen zu müssen. Es ist nicht nur für die Leute gefährlich sondern ich zerstöre dort auch die Natur.

 

Wir versuchen unseren persönlichen CO2 Ausstoß aufs Minimum zu reduzieren. Wir sind in den letzten Jahren kaum geflogen. Es ist ja auch schon mies genug, dass man mit dem Auto herumfahren muss um zu surfen. Daher war es uns auch wichtig einen vernünftigen Partner für CO2 Offsetting zu finden. In der Branche wird leider sehr viel Schindluder betrieben. Carbonfund.org war da für uns der einzig glaubwürdige Anbieter für Offsetting. Wir produzieren hier eigentlich auch relativ wenig Schadstoffe: der ideale Tag sieht so aus, dass wir zu Fuß zum Strand gehen. Am Abend haben wir hier so lange Sonnenlicht, dass die Leute, weil sie so müde vom Surfen sind, so früh schlafen gehen, dass wir eh keine Beleuchtung brauchen. Die gesamte Warmwasseraufbereitung hier am Campingplatz läuft über eine Solaranlage. Das ist natürlich auch fein. Dass wir bei der Surfrider Foundation dabei sind, ist eh klar.

 

Wissen das die Leute zu schätzen, dass ihr euch um Nachhaltigkeit bemüht?

Peter: Hm, nein nicht wirklich. Wenigen Kunden fällt es auf. Wir weisen aber auch nicht so stark darauf hin, weil wir uns nicht als Apostel darstellen wollen. Die Leute freuen sich aber auf jeden Fall, dass wir bei unseren Shirts und Hoodies auf Biobaumwolle setzen. Mit unserer Philosophie, die wir auch auf unserer Webseite kommunizieren, kommen die Leute doch auch mit der Erwartung her, dass wir uns im Bereich Nachhaltigkeit stark bemühen. Aber wir würden nicht sagen, dass sich jemand für uns entschieden hat, weil wir so sustainable sind. Aber wir wollen die Nachhaltigkeit auch nicht als Verkaufsschlager präsentieren. Da kommst du in Teufels Küche und bietest enorm viel Angriffsfläche, weil du nie zu 100 % nachhaltig agieren kannst, auch wenn du es versuchst. Ansonsten müssten wir Swell-Checks auch mit dem Fahrrad machen so wie es z.B. der Stefan von Kun_tiki macht. Wir müssten also auf die Autos verzichten um herauszufinden, ob die Wellen auf der anderen Seite der Bucht besser laufen als hier. Das wäre die super faire Lösung. Da spielen die Kunden aber nicht mit. Die sind da nicht so happy, wenn sie nach dem Surfen mit dem Rad auch noch fahren müssten. Da wird auch schon mal gejammert, wenn man seine ganze Ausrüstung zum Hausstrand runtertragen muss. Von der Unternehmensseite her sind dir da die Grenzen gesetzt; die Kunden müssen happy nach Hause kommen. Was wir immer versuchen ist, im Alltag unsere Philosophie einfließen zu lassen. Vielleicht nimmt sich der ein oder andere etwas dabei mit und ändert sein Verhalten.

 

Was stört euch am meisten wenn ihr über Nachhaltigkeit und Tourismus in einem Zug nachdenkt?

Peter: Am Beispiel Marokko sieht man da z.B. Einiges: Das Bewusstsein der Menschen in Entwicklungsländern ist einfach ein anderes. Teilweise ist es dort so verdreckt. Aber auch von den Touristikern vor Ort kommt da recht wenig. Als es dort einmal im November so stark geregnet hat, dass es den ganzen Müll aus den Orten an den Strand gespült hat, hat man eine Initiative für Beach-Cleanings gestartet. Auch die Surfcamps waren dazu eingeladen. Aber bis auf uns und ein paar Einheimischen waren kaum europäische Gäste oder Leute von den Camps da, um mitzuhelfen. Das ist schon irgendwie erschreckend. Gerade wenn ich irgendwo anders hinkomme, muss ich mich darum kümmern, dass alles passt. Da kann mir das nicht alles egal sein. Wenn sich Tourismusanbieter Nachhaltigkeit auf die Stirn schreiben und den Einheimischen in Entwicklungsländern unsere Vorstellung, wie die Welt zu schützen ist, quasi aufoktroyieren möchten, muss man halt schon auch die andere Seite sehen: Länder sind gerade deswegen Entwicklungsländer, weil sie sich noch nicht um Luxusgedanken wie Selbstverwirklichung und Nachhaltigkeit kümmern können. Bei denen geht es nur darum, dass sie jeden Tag etwas zum Essen auf dem Tisch haben. Da kann man nicht so einfach irgendwo hingehen und mit dem Finger auf die Leute zeigen. Wir sollten uns da schon einbringen. Es ist ein Kritikpunkt daran, wie wir den Umweltschutz setzen, weil wir uns diesen leisten können.

 

In Entwicklungsländern haben die Leute nicht die Zeit darüber nachzudenken, die müssen ständig ums überleben kämpfen. Aber man sollte schon die Leute vor Ort dabei unterstützen. Unser Partner in Marokko hat so schrittweise schon einiges gelernt in Sachen Nachhaltigkeit. Auch er geht jetzt besser auf die Umwelt ein. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Partner bei uns gut aufgehoben ist. Er hat ja nach europäischen Partnern gesucht, die ihm Gäste bringen. Hätte er das nicht, müsste auch er jeden Tag ums Überleben kämpfen. Schlussendlich ist es aber schon cool, wenn man den Leuten beibringt, dass man Dosen nicht aus dem fahrenden Auto schmeißen soll. Wir sollten auf jeden Fall damit aufhören, andere Leute mit unserem Lebensstil zu unterdrücken. Um in Sachen Umweltschutz wirklich was zu bewirken

 

Kommen wir zurück zum Surfen und eurem Surfcamp: Was motiviert euch, tagtäglich für andere Leute das Rundum-Sorglos-Paket zu schnüren?

Andrea: Die Arbeit generell macht Spaß. Immer wieder neue Leute kennenzulernen. Das Lächeln auf den Lippen der Leute, nachdem sie es zum ersten Mal am Surfbrett geschafft haben aufzustehen. Und die Dankbarkeit der Leute, wenn sie den ganzen Tag Spaß gehabt haben. Es ist richtig schön, dass man mit dem Surfen Menschen so glücklich machen kann. Und das Arbeiten mit jungen Leuten ist ein Traum. Man lernt auch fast ausschließlich nette Leute kennen. Und an der frischen Luft zu arbeiten ist natürlich auch nicht so schlecht.

 

Welche Einstellung erwartet ihr von euren Gästen?

Peter: Manchmal ist der übertriebene Ehrgeiz ein bisschen ein Problem, weil du den Leuten gleich einmal klar machen musst, dass Surfen ein schwer zu erlernender Sport ist. Die Leute erwarten sich relativ schnell relativ viel, vor allem wenn sie sportlich sind. Wir erwarten uns gar nicht so viel von den Gästen, wir lassen uns immer überraschen von den Leuten.

 

Was lernen Gäste abseits vom Surfen bei Camino Surf ?

Andrea: Was uns vielleicht dazu einfällt, ist der Gesellschaftsaspekt, der von vielen dazugelernt wird. Also das gemeinsame Essen, ein bisserl anpacken und selbst mal für andere was wegräumen. Gerade die Eigenbrötler, wir haben immer wieder zwei oder drei, die haben sich da sehr wohl gefühlt und sich auch eingebracht. Da haben einige schon etwas mitgenommen. Manchmal sind auch sogar Freundschaften hier im Camp entstanden.

 

Von Ausländern geführte Surfcamps sind bei der lokalen Bevölkerung oft unbeliebt. Wie geht es euch damit? Ist das für euch ein Thema?

Peter: In Langre haben wir das zum ersten Mal ein wenig mitbekommen. Die meiste Zeit kommst du mit den Surfschülern den Locals eh nicht in die Quere. Die Wellen, die die Locals surfen, können Anfänger eh nicht surfen. Beim Freesurfen haben wir in Langre schon auch mal aufgestochene Reifen gehabt. Hier in Galizien war das anders. Miguel, der selbst ein Surfcamp für Einheimische hier führt, war sehr hilfreich, hat uns Tricks verraten und sich auch gefreut, dass in der Gegend was passiert. Wir reden aber auch mit den Locals und erklären ihnen, dass wir keinen Stress haben wollen. Die Leute zeigen sich dann auch meistens verständnisvoll. Man muss halt einfach respektvoll mit den Leuten umgehen. In Marokko waren zu Beginn überhaupt keine Menschen dort, kaum Surfer. Am Anfang haben sich die Locals wahnsinnig gefreut, wenn sie mit dir surfen gehen konnten. Das hat sich jetzt aber radikal geändert. Alleine in Thagazout gibt es ca. 40 Surfcamps, da werden immer mehr Leute im Wasser. Viele Surftouristen verhalten sich auch komplett falsch, haben oft kein Fingerspitzengefühl. Da sitzen dann Leute bei Wellen, wo sie aufgrund ihres Könnens nichts verloren haben.

 

Abschlussfrage: Wie geht es euch generell mit der lokalen Bevölkerung? Fühlt ihr euch hier integriert oder nur akzeptiert?

Peter: Nein, integriert fühlen wir uns nicht. Die Zeit ist auch gar nicht da, dass wir uns gut integrieren können, also z.B. in einem Verein dabei sein oder so. Dafür ist ganz klar keine Zeit. Wir sind ständig mit den Gästen beschäftigt, kommen daher kaum mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt. Die Leute wissen, dass wir hier sind und was wir machen, und sie sind auch sehr freundlich zu uns. In Marokko haben wir durch unseren Partner das Glück, dass wir sehr guten Zugang zur lokalen Szene gefunden haben, weil unser Partner tief drinnen steckt in der marokkanischen Surfszene. Das macht einiges leichter. Aber generell kann man sagen, dass der Job so hart ist, dass du nicht die Möglichkeit hast, dich mit anderen Leuten zu treffen.

 

Das ist nicht leicht, das Integrieren. Da müssen wir wirklich sagen, da verstehen wir a bisserl mehr, wie es Leuten geht, die als Gastarbeiter zu uns kommen. Die kommen dort hin, haben wenig oder gar keine Ausbildung und versuchen ein Leben aufzubauen. Die Leute die Integration fordern sollten selbst einmal versuchen irgendwo hinzugehen, wo du niemanden hast und sich dort integrieren. Das ist ein Knochenjob.

 

Infobox

Camino Surf bietet Surfkurse, Themenwochen und Unterkünfte in Galizien, Spaniens Nordwesten.


Wellenreiten in Galizien

Camino Surf Webpage
Peter & Andrea betreiben das Camino Surfcamp in Valdoviño Peter & Andrea betreiben das Camino Surfcamp in Valdoviño

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