Der Weltenwanderer auf einem Schiff in der Mitte des Atlantik
Gregor auf einem Trek durch Feuerland
Dusky Sound Neuseeland
Glacier Grey, Torres del Paine Nationalpark, Patgonien
Hirtenmädchen im Hochland von Ecuador
Inkastrasse Cordillera Huyhuash, Peru
Gregor auf dem Jakobsweg in Spanien
Königspinguine in Feuerland
Machu Picchu
Treehugger in Patagonien
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Horizonterweiterung

Der Weltenwanderer und ein Mittagessen bei Nomad Earth

Kurz nach einer sechsmonatigen Patagonienreise besuchte uns Gregor Sieböck. Wir tauschten uns über falsche Wertigkeiten und Ideen für ein einfaches Leben aus.

von

Gregor Sieböck, besser bekannt als der Weltenwanderer, ist viel und weit unterwegs: Mit dem Zug, mit dem Schiff, weniger gern mit dem Flugzeug und am liebsten zu Fuß. In seinem Buch "Der Weltenwanderer - Zu Fuß um die halbe Welt", das kürzlich bei National Geographic als Taschenbuch neu aufgelegt wurde, berichtet er von einer fantastischen Reise und der Wiederentdeckung der Langsamkeit.

 

Gregor Sieböcks Buch Der WeltenwandererAuf die Einstiegsfrage, was er denn gerade spannend fände, antwortet der Autor und passionierte Langzeitreisende mit dem für ihn so typischen Lächeln eines unbeschwerten Kindes: "Die Zeit, in der wir gerade leben. Jeder kann grundsätzlich jeden treffen und sich austauschen. Das, was ich in fremden Ländern erfahre, kann ich als Information mit nach Hause nehmen. Das wird langfristig das Bewusstsein der Menschen verändern." In Gregors Vita liest man von einem Vielreisenden, der seine Zeit am liebsten in der Natur verbringt und sich Freiräume und Leichtigkeit durch den Wenig-besitz materieller Güter schafft. Ganz allgemein ist Gregor ein großer Freund des bewussten Verzichts. Dem Streben nach materiellem Glück, dem scheinbar höchsten Ziel der Konsumgesellschaft, hat er schon vor langer Zeit die sehnige Schulter eines Weltenwanderers gezeigt.

 

Zeitungen haben kaum Informationsgehalt, alles versickert im Mainstream Zeitgeist

Während wir in unserem Büro bei Aufstrich, Gemüse und Brot über die Herausforderungen einer nachhaltigen, einfacheren Lebensweise plaudern, erwähnt Gregor ganz beiläufig, dass er heute das erste mal seit langem wieder eine Zeitung gelesen habe. Was denn hängen geblieben sei, frage ich. "Eigentlich nichts, die Zeitung hat keinen Informationsgehalt für mich gehabt." Ich beobachte einen herzhaften Lacher gefolgt von einem bestimmten und überzeugten Blick.

 

In Gedanken noch am Zeitungssager hängend, beiße ich in mein Mehrkorn-Weckerl. Bio Weckerl, versteht sich. Währenddessen rezitiert Gregor den ewig jungen Udo Jürgens. Eine Textstelle des Barden trifft den Mainstream-Zeitgeist, den Gregor in jeder Zeitung reproduziert sieht, genau: "Wir nützen nicht wir usen. Alles ist ganz easy, alles ist ganz seicht." Bumm. Herr Jürgens hat mit dem großen Hammer den Nagel wieder einmal fest auf dem Kopf getroffen.

 

"Die Zeitungen spielen mit diesen großen Emotionen, die in großen Wellen über uns zusammenschlagen. Nehmen wir mal die Finanzkrise: Diese wellenartige Emotionalisierung, die das Thema hervorgerufen hat benötigt viel Energie. Das was öffentlichkeitswirksam gemacht wurde war die Symptombekämpfung. Worum es aber wirklich geht, also die Ursache (Anm.: das kapitalistische System zu hinterfragen), wird nicht allzu viel geschrieben."

 

Wir springen in unserem Gespräch (es ist weniger ein klassisches Frage-Antwort-Spiel, wir bevorzugen

den gepflegten Dialog) von Thema zu Thema, Gregor verweist auf weitere Beispiele, nennt Lybien, das iPhone, die UniCredit oder Lachs: "Omega 3 ist wichtig und gesund für unseren Körper. Lachs enthält besonders viel davon. Darum sollte man viel Lachs essen. Vordergründig erscheint dieser Schluss logisch, schaut man sich die Sache aber genauer an, wird einem klar: Der Lachs, den wir essen, wird größtenteils mit wachstumsbeschleunigenden Antibiotika gezüchtet. Die industrielle Lachszucht in Chile verpfuscht ganze Landstriche. Davon erfährt man aber kaum etwas."

Infobox

Gregor Sieböck, Jahrgang 1976, studierte Wirtschafts- und Umweltwissenschaften. Seit 2003 ist er Weltenwanderer und Pilger. Gregors ökologischer Fußabdruck: 1,5 - 1,9 ha


weitere Links

Der Weltenwanderer, Gregors Buch
Globalchange, Gregors Homepage
Gregor in Patagonien. In der Nacht hat der Wind sein Zelt zerstört Gregor in Patagonien. In der Nacht hat der Wind sein Zelt zerstört
Camino Santiago - Auf dem Jakobsweg in Spanien Camino Santiago - Auf dem Jakobsweg in Spanien
Aurakarien Wälder in der Nähe von Pucon (Canireservat), Patagonien Aurakarien Wälder in der Nähe von Pucon (Canireservat), Patagonien

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