Die weisen Worte von Khalil Gibran klingen noch in meinem Kopf, wenn ich daran denke, wie ich den Entschluss gefasst habe:
"Schildkröten können mehr über die Straße erzählen als Hasen."
Schildkröten?
Nun, ein Fahrrad hat auf den ersten Blick nicht viel mit einer Schildkröte gemeinsam. Bis man es mit einem Flugzeug vergleicht. Oder damit auf einer Autobahn fährt. Wenn wir heute reisen, zieht die Welt an einem vorbei, und eigentlich weiß man gar nicht so genau, was alles zwischen Heimat und Reiseziel liegt.
Mit dem Fahrrad auf kleinen Güterwegen und Dorfstraßen sieht die Sache anders aus. Bis jetzt war ich aber nur in der Stadt geradelt, von der Uni in die Arbeit und nach Hause. "Geht da vielleicht mehr?" dachte ich mir.
So richtig Reisen mit dem Fahrrad?
Ich hörte einen Vortrag vom "Weltenwanderer" Gregor Sieböck, der jahrelang mit seinen Waldviertlern durch die Welt marschiert war. Er erzählte von vielen spannenden Momenten zwischen Start und Ziel, ich war fasziniert: langsam reisen — mehr erleben.
Kurz darauf traf ich Manfred. Er war mit dem Fahrrad von Wien nach Hongkong gefahren, 2 Jahre war er unterwegs. Und ein paar Tage später erzählte mir Moritz von seiner Heimreise nach einem Jahr Aufenthalt in Pamplona — mit dem Rad. Mein Interesse war nicht nur geweckt, es drängte mich regelrecht und bald war mir klar: Das machst du auch!
Bepackt mit Zelt, Schlafsack und Isomatte …
Und nun sitze ich in Barcelona, nur noch wenige Tage bis mein Auslandssemester beendet und meine Zeit hier abgelaufen ist. Im Wohnungsgang steht mein Fahrrad, bepackt mit Zelt, Schlafsack und Isomatte. In meinem Kleiderschrank befinden sich nur noch ein paar Fahrradtrickots und Radlerhosen, alles andere wurde bereits von freundlichen Besuchern nach Wien mitgenommen. Noch ein paar mal schlafen, dann geht es tatsächlich los.
Ich freue mich schon auf die freie Natur, den Sternenhimmel abends und die Freiheit, da langzufahren, wohin es mich zieht. Ein bisschen mulmig ist mir jedoch: "Wird alles gut gehen? Hält das Rad die 2.000km Strecke durch? Und auch die 19.000 Höhenmeter? Halte ICH das durch?
Aber alleine die Vorstellung, die gesamte Strecke nur mit Muskelkraft zurückzulegen, erfüllt mich jetzt schon mit Freude. Nach den den ersten tausend Höhenmetern sehe ich das vielleicht anders, aber was zählt ist das Gefühl, am Ende des Tages der Heimat ein Stückchen näher zu sein.
Wie es mir unterwegs so geht und ob ich es bis nach Wien schaffe, erfahrt ihr im nächsten Beitrag auf Nomad Earth oder direkt auf meinem Reiseblog: heimradln.steven.at.
Habt ihr schon mal eine Radreise gemacht? Wie ist es euch dabei gegangen? Könntet ihr euch vorstellen, demnächst auf dem Fahrrad zu verreisen?
Infobox
Steven Böhm ist Fotoblogger, Weltenbummler und Pharmaziestudent in Wien, mit einem Faible für Fotografie.
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[life in a frame] - FotoblogHeimradln - Reiseblog



