Maasai Cultural Village in Tansania
Maasai Alte Frau mit traditionellem Maasai Schmuck
Tansania Sunset Die Serengeti in voller Pracht
Tanzkultur Maasai bei ihrem traditionellen Tanz
Olpopongi Hütte im Dorf
Dorfbewohnerin
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Faires Reisen

Auf Augenhöhe mit den Maasai in Tansania

In einem kleinen Dorf am Fuße des Kilimanjaro in Tansania nimmt die Urbevölkerung den Tourismus selbst in die Hand.

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Allein. Ganz allein in einem Dorf in Tansania am Fuße des Kilimanjaro. Rundherum nur Maasai. Ein paar wenige von ihnen sprechen Englisch, die anderen ihre traditionelle Sprache. Kurze bzw. kahlgeschorene Haare, lange bunte Gewänder und der typische selbstgemachte Schmuck. Abwartendes Verhalten auf beiden Seiten.

 

„Am Anfang gibt es immer Berührungsängste“, erklärt der Deutsche, Tom Kunkler, der das Maasai-Museumsdorf „Olpopongi“ in Tansania auf Wunsch eines Maasai-Stammes ins Leben gerufen hat. „Die meisten Gäste wissen sehr wenig über die Maasai und sind zu Beginn eher ängstlich, wenn nur Maasai rund um sie sind.“ Aber ein Tag im Museumsdorf vergeht sehr schnell und wenn gemeinsam gesungen und getanzt wird, verfliegen die Vorbehalte und es gibt viel zu lachen.

 

Treffpunkt Olpopongi

Das Museumsdorf Olpopongi wurde originalgetreu gebaut. Die Maasai leben aber nicht dort, sondern weiterhin in den umliegenden Dörfern. Wenn Gäste kommen, gehen die Maasai ins Museumsdorf „arbeiten“. Es gibt vier angestellte Maasai, die Englisch, teilweise auch Deutsch und Spanisch sprechen, und die Gäste während ihres Aufenthaltes in Olpopongi betreuen. Die anderen machen genau das, was sie sonst auch machen: Sie stellen Werkzeuge und Schmuck her, singen, machen Brennholz, kochen, hüten ihre Rinder, stillen ihre Kinder, holen Wasser usw. Über ihre Gäste wissen die Maasai aber sehr wenig. Dass die TouristInnen mit dem Flugzeug gekommen sind und wo ihre Heimatländer sind, ist für die meisten Maasai völlig unklar. „Das erschwert manchmal die Zusammenarbeit“, erklärt Tom Kunkler, „aber dass hier Gäste aus aller Welt mit den Maasai auf Augenhöhe kommunizieren, ist fantastisch!“

 

Wir wollen Weiße!

Dabei wollte der Auslandsdeutsche dieses Projekt anfangs gar nicht. Eigentlich betreibt er ja in Moshi – einer 200.000 Einwohner zählenden Stadt am Kilimanjaro - einen Großhandel für Mountain Equipment und Souvenirs. Die Wachleute für seine Firma sind Maasai. Mit einem Maasai, Johnson, freundete sich Tom an und wurde von ihm regelmäßig nach Hause eingeladen.

 

Und dort begann auch alles. Die Familie von Johnson bat Tom Kunkler wiederholt, TouristInnen in ihr Dorf zu bringen. „Auch wir Maasai wollen Geld im Tourismus verdienen!“, unterstrichen die Maasai ihre Bitte. Tom Kunkler hatte Bedenken: Die TouristInnen zerstören eure Kultur! Doch die Maasai blieben hartnäckig und Tom Kunkler ließ sich zu einem Kompromiss überreden.

 

Ein Vorzeigeprojekt, das Nachahmer braucht

Die Einnahmen aus dem Museumsdorf werden aufgeteilt. Ein Teil geht an die acht Angestellten, einer fließt an die Maasai-Gemeinschaft für den Erhalt ihrer Infrastruktur. Die Maasai, die zum Verrichten ihrer Arbeiten oder zum Tanzen und Singen ins Dorf kommen, erhalten eine Art Tagelohn. Die „Mamas“, die im Museumsdorf traditionellen Schmuck herstellen, dürfen ihn am lokalen Marktplatz auch verkaufen. Doch das ist nicht alles. Mit dem Geld wird auch die lokale, ziemlich schäbige Grundschule renoviert und ausgebaut und eine Arztpraxis unterstützt. Mit dem Geld der weißen Gäste werden Medikamente und medizinisches Equipment besorgt, sauberes Wasser und Strom bereitgestellt.

 

Heute ist das Olpopongi Museumsdorf zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Die Maasai kommen gern hierher, treffen sich auf dem Dorfplatz um Tee zu trinken, Wasser zu holen oder mit den TouristInnen zu tanzen. Dass es dabei weniger darum geht, für die TouristInnen zu arbeiten, als um Unterhaltung und Austausch, macht dieses Projekt so besonders. Es ist eines von jenen Vorzeigeprojekten, das gut und gern weltweit kopiert werden darf!

 

Hinweis: Dieser Artikel enstand mit freundlicher Genehmigung von  Weltweitwandern, faires und nachhaltiges Reisen, und wurde bereits im "Weitblick", dem Magazin des Unternehmens, abgedruckt.

 

Infobox

Die Maasai sind ein halbnomadisch lebendes Hirtenvolk in Ostafrika. Die ersten Maasai kamen wahrscheinlich kurz nach 1550 aus dem Süden und dem Niltal nach Kenia und Tansania. Dabei brachten sie ihr eigenes, domestiziertes Vieh bereits mit. Das Volk ist vor allem in der Serengeti beheimatet.


Reisen nach Tansania

Website Olpopongi Maasai
Tansania Reisen bei Weltweitwandern

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