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Interview

Balsa unterm Bein. Oder: Wie man ein Surfbrett ökorrekt macht.

Stefan Weckert von "Kun_tiqi - Surfriders Who Care" betreibt eine kleine, feine Surfboard-Shaperei. Das Besondere daran: Surfboards gefertigt aus Holz.

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Stefan Weckert von "Kun_tiqi - Surfriders Who Care" betreibt eine kleine, aber feine Surfboard-Shaperei. Das Besondere daran: Seine Surfboards werden aus Holz gefertigt.

Wie es sich als Auswanderer und Shaper an einer der schönsten Küsten Europas lebt, warum Nachhaltigkeit im Surfsport ein Thema ist und wie es Jimmy und Lucho so geht, erzählt er uns in folgendem Interview.

 

Also, hallo Stefan! Heute schon surfen gewesen?

Hallo, nee, leider habe ich momentan einige Bestellungen abzuarbeiten, da bleibt manchmal einfach keine Zeit für's Surfen, beziehungsweise picke ich mir die wirklich schönen Tage raus, so wie morgen früh zum Beispiel!

 

Morgen früh sieht's ja auch laut Swell Forecast ok aus! Wie hats dich eigentlich vom kühlen Deutschland nach Nordspanien verschlagen?

Mein BWL-Studium in Kiel war zu Ende, die Idee mit Kun_tiqi schon geboren. Ich habe nach einem idealen Ort gesucht um Surfboards zu bauen, zu testen und auch einen Markt dafür zu haben. In Deutschland wäre das in diesem Ausmass nicht möglich. Spanisch konnte ich schon und ausserdem hat mir die Nordküste hier immer sehr gefallen, also war es irgendwie klar, dass es Nordspanien wird.

Also habe ich meinen Bus gepackt mit allen wichtigen Sachen und den ersten 19 Balsa-Surfboards und bin los.

 

Also wars zuerst anscheinend das Surfen... Wann hast du beschlossen: "Ich bau mein eigenes Brett! Und zwar aus Holz!" Holz ist ja zwar das Material, aus dem die ersten Bretter vor Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten gebaut wurden, aber in letzter Zeit war der Mainstream klar auf Kunststoff ausgerichtet...

Mein erstes Surfboard habe ich während meines Studiums in Flensburg gebaut, damals ein Windsurfboard in Epoxy-Sandwich-Bauweise, den Traum hatte ich schon seit mehreren Jahren.

Auf Holz bin ich erst während meines Studium Praktikums in Ecuador gekommen. Dort habe ich das erste Mal in meinem Leben ein Holz-Surfboard gesehen und war sofort davon begeistert! Dort habe ich dann den ganzen Prozess, vom Anbau des Balsa-Holzes, über die Herstellung des Blanks und des Shapens und Laminierens bis zum Surfen, mitgemacht. Jimmy und Lucho, die beiden Shaper, sind echte Meister ihres Fachs, sie machen das schliesslich auch schon seit über 22 bzw. 40 Jahren! Deshalb arbeite ich weiterhin mit ihnen zusammen.

Ich selbst shape nur Boards für mich und enge Freunde, da ich erkennen musste, dass man einfach jahrelange Erfahrung und ein gutes Testteam benötigt um hochqualitative Boards zu shapen. Das haben Jimmy und Lucho, und uns ist es wichtig, Boards herzustellen, die von guten Surfern getestet wurden und funktionieren.

 

Eines eurer Boards hab ich bei einem Surfer in Campelo gesehn - echte Kunst! Optisch kann da ein aus Schaumstoff geshapetes Board nicht mithalten. War's weniger der Nachhaltigkeits-Gedanke, sondern das schöne Handwerk? Wie wichtig is bei Euch Nachhaltigkeit?

Als Erstes war ich auf jeden Fall von der Ästhetik der Boards angetan, aber da zu dieser Zeit gerade der "Clark Foam" Skandal war und auch mir - wie vielen anderen Surfern - zum ersten Mal bewusst wurde, wie giftig und wenig nachhaltig ein Surfboard ist, habe ich mich auf die Suche nach einem ökologischen Harz gemacht. Die ersten Versuche waren leider nicht marktreif.

Nach mehreren Tests habe ich dann ein Harz entdeckt, das aus 98% Leinsamenöl besteht! Ich kann damit ohne Atemschutz laminieren und es ist vollkommen biologisch abbaubar! Ausserdem experimenitieren wir ständig mit Naturfasern um die Glasfaser zu ersetzen - leider ist uns da noch kein zufriedenstellendes Ergebnis gelungen.

Die Nachhaltigkeit spielt bei uns also eine grosse Rolle, das spiegelt sich auch bei unserer Kleidung wieder, alles aus fair gehandelter Bio-Baumwolle.

Infobox

Der Name Kun_tiqi leitet sich ab vom Inka-Sonnengott Kun tiqsi Viracocha. Der Name verweist auf die Herkunft des Balsa-Holzes und wo dieses seit Jahrzehnten zu Boards verarbeitet wird.


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